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HOMEDie Pfitscher Joch Tour

Die Pfitscher Joch Tour

Einmal im Leben sollten Sie mit Ihrem Bike am Pfitscher Joch gewesen sein. Nicht nur, weil die Strecke durch seinen hochalpinen Charakter ein landschaftlich besonders reizvolles Erlebnis ist und Ihre Waden einen schreienden Insulinschub erleben werden. Nein, diese Strecke bietet noch viel mehr. Warum das Pfitscher Joch historisch  gesehen höchst interessant ist und Archäologen leuchtende Augen bekommen, wenn vom Pfitscher Joch die Rede ist, erfahren Sie hier. 

Das Kriterium vom Breitlahner zum Schlegeis

Etwas Kondition ist schon erforderlich, wenn das Bike mit auf´s Joch soll. Als Startpunkte für die Tour bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Ab Breitlahner sind es ganze 34 km auf das geschichtsträchtige Joch an der italienischen Grenze. Hart gesottene treten bereits ab Mayrhofen in die Pedale und nehmen den langen Weg auf sich. Ginzling, das beschauliche Bergsteigerdorf ganz hinten im Tal, ist ein besonders schöner Ausgangspunkt. Doch die meisten starten  weiter oben, im Breitlahner. Von da aus führen noch acht Kehren und vier Natursteintunnel entlang der Schlegeis Mautstraße aufwärts bis zum Stausee.

Schlegeis Stausee im Naturpark Zillertaler Alpen

Am Schlegeis Stausee angekommen gönne ich meinen Waden die erste Rast bestaune den Megaspeicher. Der Schlegeisspeicher wurde nach einer fünfjährigen Bauzeit, 1970 als Wasserkraftwerk von den Tauernkraftwerken AG in Betrieb genommen. Die Sperrenhöhe der imposanten Staumauer misst 131m.

Über Stock und Stein auf´s Pfitscher Joch

Am Ende des Stausees befinden sich die Parkplätze. Hier endet auch die Asphaltstraße. Nun geht es Richtung Pfitscher Joch. Wenn vom Pfitscher Joch die Rede ist, bekommen heimische Archäologen leuchtende Augen. Vor einigen Jahren entdeckte man hier nämlich ein mittelsteinzeitliches Jägerlager. Dies wies darauf hin dass der Grenzübergang nach Südtirol bereits seit 8000 Jahren eine Transitstrecke ist. Aber das ist noch nicht alles: Unter einem überhängendem Felsen wurden 2011 mehrere Gefäßfragmente aus Speckstein entdeckt. Daraus leiteten die Forscher ab, dass im Gebiet um das Pfitscher Joch Speckstein zu Gefäßen verarbeitet wurde. Der mittelalterliche Abbau (500-1050 n. Chr.) wurde wohl intensiv betrieben. Das besondere an diesem Fund war, dass der Lavez-Abbau, bis zu diesem Fund, nur in der Schweiz und in Norditalien bekannt war. Für die Forscher war es das erste Mal, dass derartige Abbaustellen und Artefakte in Österreich entdeckt wurden.

Der zunehmend holprige Weg zum Joch wird nun zur Schiebestrecke. Historisch kann belegt werden, dass die Zillertaler Alpen seit nun mehr 10.000 Jahren vom Menschen genutzt werden und auch Handwerk betrieben wird. Jäger suchten um das Pfitscher Joch nach Bergkristallen und erzeugten Pfeilspitzen. Bauern begannen viel später bis heute, mit der Bewirtschaftung der Almen. Früher war es hauptsächlich Viehwirtschaft, später entstanden mit der touristischen Erschließung erste Herbergen am Berg.

Zahlreiche Geschichten ranken sich auch um das Schmuggeln von Waren und Vieh zwischen Nord- und Südtirol. Mit dem Bike lässt sich erahnen wie beschwerlich die „Kunst“ der Schmugglerei im Gelände sein musste. Abwechselnd flach, steil und holprig führt mich der Weg weiter Richtung Pfitscher Joch. Diese Strecke ist in 1,5-2 Std. ab dem Stausee machbar, aber recht beschwerlich. Gleich überquere ich das Pfitscher Joch, das früher noch von der Zollwache kontrolliert wurde. Noch eine kurze Auffahrt und ich bin am Ziel!

Pfitscher-Joch-Haus: viel Geschichte zwischen den Grenzbalken

Die Zillertaler Bergwelt bei einer Wanderung zum Pfitscher Joch erkunden

Geschafft! Das schön gelegene, bewirtschaftete Pfitscher-Joch-Haus mit seinem See auf 2275m ist erreicht. Das komfortable Haus ist 1882 gebaut worden. In der Zwischenkriegszeit nach 1918 sicherte Italien die Grenzen durch den Bau von Militärstraßen ab. Auch die Strecke vom Pfitscherjoch über das Pfundererjoch war nicht mehr zugänglich. Die Überwachung der Grenze war auf österreichischer Seite Aufgabe der Zollwache und in Italien gab es die Finanzieri. Durch die Not begann der Schmuggel zu blühen. Die Schmuggler im Zillertal waren hauptsächlich von Ginzling aus über den Zillertaler Hauptkamm und über das Pfitscherjoch unterwegs. Die Italiener bewachten die Grenzen besonders streng. Am 23. Juni 1966 explodierte eine Bombe am Pfitscher-Joch-Haus und der Finanzier Bruno Bologesi aus Sardinien wurde bei diesem Terroranschlag gänzlich zerrissen.

Das Pfitscher-Joch-Haus selbst wurde wieder renoviert, blieb aber bis 1969 militärisch besetzt. 1945 bis 1996 wurde ein Teil des Hauses von der italienischen Finanzwache als Zoll- und Grenzstation genutzt.

Ich merke heute nichts mehr von jener Zeit  und genieße auf der Terrasse  den wunderbaren Ausblick auf die Zillertaler Alpen nördlich und südlich der verschwundenen Landesgrenze – und natürlich mein Bier.

Pfitscher Joch Haus an der Grenze zu Italien

Wer am Pfitscher Joch Haus nächtigt kann die Tour mit einer Wanderung auf die „Rotbachlspitze“ (2.895m) verbinden. Nicht weit vom Haus geht man auf dem markierten Steig über Grashänge südostwärts hinauf zum Gratrücken und weiter zum Gipfelkreuz (ab dem Pfitscher Joch 2 Std.). Der Abstieg führt auf demselben Weg in 2 Std. zur Hütte. Ich spare mir das heute.

Der Rückweg mit dem Mountainbike erfolgt über denselben Weg wie die Hinfahrt. Meine ausgiebige Tagestour findet im Breitlahner wieder sein Ende. Was bleibt sind unvergessliche Erinnerungen an meine sportliche Leistung in der Zillertaler Bergwelt rund um Mayrhofen!